Zum Beispiel Claudia

Schicksalsbericht eines Dienstmädchens aus der Anlaufstelle

Claudia

Claudia Mendoza Flores ist 15 Jahre alt und kommt aus Villazón im Departement Potosí. Geboren ist sie jedoch in Chuquisaca, von ihrer Mutter aber bald zur Grossmutter aufs Land gebracht.Diese behandelte Claudia jedoch sehr schlecht, einige Male musste sie sogar draussen schlafen. Claudias Tante holte sie von dort weg, wieder in die Stadt zurück. Bei ihr arbeitete sie bereits mit neun Jahren. Wenn Claudia ihren geringen Lohn einforderte, um sich davon ihr täglich Brot zu kaufen, wurde die Tante wütend und schickte Claudia auf ihr Zimmer.

Häufig, ohne dass Claudia etwas zu essen bekam. Deswegen flüchtete sie und fand Arbeit bei einer unbekannten Frau in einer Konditorei. Dort half sie bei der Teigzubereitung, beim Kochen und Putzen. Da Claudia kaum etwas verdiente, wollte sie auch von dort weggehen, um etwas Besseres zu finden. Ihre Chefin war damit jedoch gar nicht einverstanden und drohte damit, die Polizei zu rufen, damit Claudia als Minderjährige zu ihrer Grossmutter zurückgebracht würde. Um dies nicht zu riskieren, blieb sie also in der Konditorei. Wenig später zog es sie aber dennoch fort, nur mit einigen Kleidungsstücken in einer Tasche. Ihre weiteren persönlichen Gegenstände musste sie zurücklassen. Eine weitere Arbeit als Hausangestellte fand aufgrund der miserablen Behandlung durch die Hausherrin ebenfalls ein Ende. Während Claudia in einer Abendschule Kurse besuchte, hörte sie zum ersten Mal von der Stiftung Sinp’aripsa. Dabei wurden die Schüler, viele von ihnen Mädchen vom Land welche sich in der Hausarbeit verdingen, über ihre Rechte und die Hilfsangebote von Sinp’Arispa informiert.

Am 9. Juli 2010 kam Claudia zum ersten Mal vorbei um sich zu registrieren. Einen guten Monat später ersuchte sie um Hilfe bei der Suche nach einer neuen Stelle, da sich ihre Hoffnung auf stabile und gerechte Arbeitsbedingungen einmal mehr nicht erfüllt hatte. Seit diesem Tag wohnt Claudia nun im „Haus Sinp’arispa”, wo sie der Leiterin Elizabeth Montero hilft und einen Lohn erhält, bis sie wieder eine Stelle gefunden haben wird. Jetzt ist Claudia glücklich und die einst ziemlich verschlossene und stille junge Frau ist nun fröhlich, lächelt und spricht mit den anderen Mädchen.

In Zukunft möchte sie nicht mehr am Arbeitsort, also im gleichen Haus, wohnen, da sie Angst vor erneuter schlechter Behandlung hat und sich wegen ihrer Isoliertheit nicht mehr ausnützen lassen will. Sie sagt nun immer, dass sie Angehörige in Sucre habe, um nicht so alleine dazustehen. Trotzdem hat Claudia keine Vertrauensperson in ihrer Familie und ist deshalb sehr froh, in der „Fundación” die nötige Unterstützung zu finden und sich durch die erhaltene Sicherheit auch wieder mehr am Leben zu erfreuen.

Bereits hat Claudia eine Arbeit in Aussicht, wir hoffen nur das Beste für sie!

aufgezeichnet durch Sinp’arispa in Bolivien